Die JIMplus-Studie 2026 untersucht das digitale Wohlbefinden von Jugendlichen zwischen 14 und 17 Jahren in Deutschland. Sie wurde im Juli 2026 durch den Medienpädagogischen Forschungsverbund Südwest (mpfs) veröffentlicht und basiert auf einem Mixed-Methods-Design: Zuerst dokumentierten 33 Jugendliche ihren digitalen Alltag über ein WhatsApp-basiertes Online-Tagebuch; dann führten die Forschenden 20 Einzelinterviews, die schließlich als Grundlage für eine standardisierte Befragung von 800 Jugendlichen dienten. Für die Befragung wurden Jugendliche aus einem Online-Access-Panel rekrutiert und nach Geschlecht, Alter und Bundesland quotiert. Andere relevante Merkmale wie Schulform bzw. Bildungsweg wurden bei der Quotierung allerdings nicht berücksichtigt. Zudem unterscheidet die Studie nur zwischen den Geschlechtern „männlich“ ♂ und „weiblich“ ♀. Im Folgenden werden einige Erkenntnisse dieser Studie kurz vorgestellt.
Beliebteste Online-Freizeitaktivitäten
Online-Aktivitäten, denen Jugendliche in ihrer Freizeit häufig nachgehen, unterscheiden sich zum Teil stark nach Geschlecht. So ist Gaming bei 79 Prozent der männlichen Jugendlichen die beliebteste Online-Aktivität, während es bei den weiblichen Befragten lediglich 34 Prozent sind. Ähnlich sieht es auch beim Schauen von Online-Videos oder Livestreams auf Videoplattformen wie YouTube oder Twitch aus (♂: 71 %; ♀: 54 %). Online-Shopping wird hingegen überwiegend von weiblichen Teenagern (♀: 48 %; ♂: 30 %) betrieben. Zu den beliebten Aktivitäten unter Jugendlichen zählen die Social-Media-Nutzung (♀: 81 %; ♂: 70 %) – wobei lediglich 15 Prozent der weiblichen und 12 Prozent der männlichen Befragten selbst regelmäßig Social-Media-Content produzieren und teilen –, das Hören von Musik oder Podcasts (♀: 82 %; ♂: 69 %) sowie das Schauen von Filmen, Serien oder Shows (♀: 75 %; ♂: 64 %). Bei all diesen Aktivitäten ist der Anteil der weiblichen Jugendlichen höher. Zudem lernen viele Jugendliche in ihrer Freizeit online für die Schule, beispielsweise mittels Erklärvideos oder Vokabeltrainern (♀: 75 %; ♂: 61 %). KI oder Chatbots werden von gut der Hälfte der Befragten regelmäßig in der Freizeit genutzt (♀: 52 %, ♂: 51 %). Bemerkenswert ist, dass die Nutzung sozialer Medien nur für 19 Prozent der Jugendlichen zu den Top 3 ihrer Wohlfühl-Freizeitaktivitäten (online + offline) zählt.
Interesse an Politik und Nachrichten im Feed
Mithilfe der Frage, „Welche der folgenden Themen tauchen regelmäßig in deinem Feed auf und sind für dich interessant?“ wurde darüber hinaus eine große Bandbreite an möglichen Themeninteressen von Jugendlichen im Netz abgefragt. Besonders interessant sind dabei die Themenbereiche „Nachrichten“ sowie „Gesellschaft und Politik“. Zwischen den Geschlechtern fallen die Interessen hier ähnlich aus, wobei männliche Befragte (33 %) etwas häufiger an Nachrichten im eignen Feed interessiert sind als weibliche (27 %). An gesellschaftlichen und politischen Themen ist knapp ein Viertel der Jugendlichen interessiert (♂: 24 %; ♀: 23 %). Es zeigen sich allerdings klare Altersunterschiede: So haben unter den 14- bis 15-Jährigen lediglich 14 Prozent der Befragten Interesse an Gesellschaft und Politik im eigenen Feed, während es unter den 16- bis 17-Jährigen 33 Prozent sind. An Nachrichten in den sozialen Medien sind unter den Jüngeren 24 Prozent und unter den Älteren 37 Prozent interessiert.
Wohlfühlplattformen und ambivalente Gefühle gegenüber TikTok
Die wichtigsten Social-Media-Plattformen für Jugendliche zwischen 14 und 17 Jahren sind TikTok, YouTube und Instagram. Jeweils ein Viertel der Befragten nutzt diese Plattformen zwischen ein und drei Stunden pro Tag; 6 (Instagram) bzw. 13 Prozent (TikTok) tun dies sogar länger als drei Stunden täglich. Bemerkenswert ist dabei, dass TikTok unter den Plattformen, die Befragte als wohltuend empfinden (auf einer Wohlfühlskala die Schulnote 1 oder 2 vergeben), mit 33 Prozent den letzten Platz belegt, obwohl es von Jugendlichen am zweithäufigsten vermisst werden würde (unter weiblichen Teenagern sogar am häufigsten). Vergleichsweise schlechte Wohlfühlwerte erhielt auch Instagram (39 Prozent vergaben die Schulnoten 1 oder 2), obwohl die Plattform ebenso für einen großen Teil der weiblichen Jugendlichen unverzichtbar ist (35 %). Die Wohlfühlplattform schlechthin ist Pinterest (75 Prozent vergaben Note 1 oder 2), Twitch erhielt von 62 Prozent der Nutzer:innen die Note 1 oder 2, Discord von 58 und YouTube von 56 Prozent, wobei YouTube besonders unter männlichen Jugendlichen (♂: 46 %; ♀: 29 %) als unverzichtbar gilt.
Social-Media-Nutzung als „Achterbahnfahrt“
Aus den qualitativen Interviews leiteten die Forschenden insgesamt drei Spannungsfelder ab, in denen sich Jugendliche während ihrer Social-Media-Nutzung durch die Gleichzeitigkeit positiver und belastender Erlebnisse wiederfinden. Dazu zählen: (1) Leichtigkeit vs. Überlastung, (2) Horizonterweiterung vs. Vergleichsdruck und (3) Verbundenheit vs. FOMO/Einsamkeit. Mithilfe des Surveys konnten diese Ambivalenzen genauer quantifiziert werden.
(1) Leichtigkeit vs. Überlastung
Zwar stimmten 68 Prozent der Befragten der Aussage „voll und ganz“ oder „weitgehend“ zu, dass die sozialen Medien sie von Problemen oder Stress ablenken würden, allerdings waren auch 55 Prozent der Meinung, Social Media nehme ihnen Zeit für Erholung und Freizeitaktivitäten. Ebensoviele Jugendliche glauben darüber hinaus, ihre Zeit auf Social Media zu verschwenden. Weiterhin stimmten 72 Prozent der Aussage „voll und ganz“ oder „weitgehend“ zu, dass soziale Medien sie von Dingen abhalten würden, die sie eigentlich tun sollten. 64 Prozent fällt es schwer, das Smartphone wieder wegzulegen, sobald sie es einmal in der Hand haben und 61 Prozent sind durch zunehmende KI-Inhalte verunsichert, was auf Social Media überhaupt noch real ist. Fast die Hälfte der Jugendlichen (47 %) beneidet Generationen, die ohne Social Media aufgewachsen sind.
(2) Horizonterweiterung vs. Vergleichsdruck
82 Prozent der Befragten stimmten der Aussage „voll und ganz“ oder „weitgehend“ zu, dass sie über die sozialen Medien Zugang zu Themen und Wissen haben, den sie sonst nicht hätten. Allerdings gaben 80 Prozent an, dass vieles auf Social Media unecht oder gestellt wirke. Vergleichsdruck in den sozialen Medien wird vor allem von weiblichen Teenagern verspürt. So stimmten 71 Prozent der Aussage „voll und ganz“ oder „weitgehend“ zu, dass man sich bei der Nutzung sozialer Medien automatisch mit anderen vergleiche, bei den Jungen waren es 60 Prozent. 57 Prozent der Mädchen und 45 Prozent der Jungen haben zudem durch Social Media den Eindruck, dass andere ein besseres Leben als sie selbst führen, während 41 Prozent der weiblichen und 30 Prozent der männlichen Befragten durch Social Media daran zweifeln, ob sie gut sind in dem, was sie tun. Insgesamt stimmen 31 Prozent der Jugendlichen der Aussage zumindest „weitgehend“ zu, dass Social Media sie unter Druck setze.
(3) Verbundenheit vs. FOMO/Einsamkeit
Während 63 Prozent der Jugendlichen „weitgehend“ oder „voll und ganz“ der Meinung sind, dass es über Social Media leichter ist, Gleichgesinnte zu finden, die ihre Interessen teilen, 59 Prozent zustimmen, dass es ihnen über die sozialen Medien leichter fällt, mit anderen in Kontakt zu sein, 51 Prozent sich auf Social Media verstanden fühlen und 28 Prozent über Social Media Dinge loswerden können, die sie sonst niemandem erzählen, stimmen auch 47 Prozent der Aussage zu, dass sie ohne die sozialen Medien das Gefühl hätten, nicht dazu zu gehören. 43 Prozent der Befragten haben Angst, etwas zu verpassen, wenn sie nicht online sind und bei 54 Prozent der Jugendlichen ist das Smartphone auch bei Treffen mit Freund:innen nicht wegzudenken.
Negative Auswirken der Social-Media-Nutzung
Ein Großteil der Jugendlichen verspürt negative physische sowie psychische Auswirkungen durch die Nutzung von Social Media. Konzentrationsprobleme wurden dabei am häufigsten genannt (40 %). Zudem haben 37 Prozent ein schlechtes Gewissen nach längerer Nutzung, Mädchen (47 %) deutlich häufiger als Jungen (28 %). Gereizte Augen nach längerer Social-Media-Nutzung kennen rund ein Drittel, 30 Prozent haben ihren Konsum bereits reduziert, weil er ihnen nicht gut tut, 22 Prozent fällt es nach der Nutzung schwer abzuschalten oder zur Ruhe zu kommen und ein Fünftel fühlt sich danach oft leer oder motivationslos. Lediglich 15 Prozent der Befragten gaben an, keine der dreizehn abgefragten negativen Auswirkungen der Social-Media-Nutzung von sich selbst zu kennen.
Kontakt mit problematischen Inhalten auf Social Media
Besorgniserregend ist darüber hinaus die Häufigkeit, mit der Jugendliche angaben, bereits in den sozialen Medien mit problematischen Inhalten in Kontakt gekommen zu sein. In Bezug auf Fake News waren dies 71 Prozent, 43 Prozent sahen bereits extreme religiöse oder politische Inhalte und 40 Prozent kamen mit Hate Speech in Berührung. Größere Geschlechterunterschiede zeigen sich beim Kontakt mit sexistischen Inhalten (♀: 40 %; ♂: 30 %), Verharmlosung von Essstörungen (♀: 36 %; ♂: 14 %) sowie ungewollten Nachtbildern und „Dickpicks“ (♀: 19 %; ♂: 11 %). Letztere werden dabei von 52 Prozent der Jugendlichen, die online bereits mit ihnen in Kontakt kamen, für sich selbst als „sehr belastend“ eingestuft, ein Fünftel bewertet sie als „etwas belastend“. Mobbing empfinden 76 Prozent der Jugendlichen, die damit bereits in Kontakt kamen, als mindestens „etwas belastend“, 74 Prozent halten drastische Gewaltinhalte sowie Verharmlosung und Aufruf zu selbstverletzendem Verhalten für mindestens „etwas belastend“. Insgesamt werden abgesehen von gefährlichen Challenges (47 %) Deepfakes und Fake News (jeweils 49 %) alle aufgelisteten Inhalte von mindestens 60 Prozent der Jugendlichen, die mit diesen bereits in Berührung kamen, als „etwas“ oder „sehr belastend“ eingestuft.
Plattformen und problematische Inhalte
Es zeigt sich, dass Plattformen unterschiedlich stark mit problematischen Inhalten assoziiert werden. So wird TikTok mit 10 der 13 erfragten problematischen Inhaltstypen in Verbindung gebracht, wobei gefährliche Challenges und Verharmlosung bzw. Aufruf zu selbstverletzendem Verhalten von jeweils mehr als 60 Prozent der Befragten mit TikTok assoziiert werden. Lediglich ungewollte Nacktbilder oder „Dickpicks“, die Kontaktaufnahme durch fremde Erwachsene und Hate Speech werden (etwas) häufiger mit anderen Plattformen in Verbindung gebracht. So ist gut die Hälfte der betroffenen Jugendlichen der Meinung, dass man auf Snapchat mit ungewollten Nacktbildern rechnen könne, rund 35 Prozent teilen diese Meinung für Instagram und nur ca. 18 Prozent für TikTok. Eine Kontaktaufnahme durch fremde Erwachsene assoziieren betroffene Jugendliche ebenfalls etwas häufiger mit Instagram und Snapchat als mit TikTok. In Bezug auf Hate Speech liegt TikTok nur knapp hinter Instagram. YouTube liegt in allen Antwortkategorien auf dem dritten oder vierten Platz und wird von betroffenen Jugendlichen demnach weniger stark mit problematischen Inhalten in Verbindung gebracht als die anderen Plattformen.
Online Civic Intervention: Umgang mit problematischen Inhalten
Die befragten Jugendlichen zeigen ein eher vermeidendes Verhalten bei der Konfrontation mit problematischen Inhalten. So gaben 58 Prozent an, einfach weiterzuscrollen, wenn ihnen problematische Inhalte begegnen, während 45 Prozent der Jugendlichen sagten, dass sie sich später gar nicht mehr daran erinnern, was sie beim Scrollen alles gesehen haben. 40 Prozent 16- bis 17-Jährigen und 31 Prozent der 14- bis 15-Jährigen haben sich bereits daran gewöhnt, viele problematische Inhalte auf Social Media zu sehen. Die Älteren (38 %) sind darüber hinaus eher der Meinung als die Jüngeren (25 %), bereits Dinge in den sozialen Medien gesehen zu haben, für die sie zu jung waren. Nur etwa ein Viertel der Teenager melden problematische Inhalte, denen sie begegnen, der Plattform, die 16- bis 17-Jährigen dabei deutlich häufiger (31 %) als die 14- bis 15-Jährigen (21 %).
Persönliches Wohlbefinden und Social-Media-Nutzung
Allgemein ist das Wohlbefinden unter männlichen im Vergleich zu weiblichen Teenagern etwas höher: So stimmten 91 Prozent der Jungen der Aussage „voll und ganz“ oder „weitgehend“ zu, dass es ihnen die meiste Zeit insgesamt gut gehe, während es unter den Mädchen 82 Prozent waren. Im eigenen Körper unwohl fühlen sich 34 Prozent der weiblichen und 20 Prozent der männlichen Teenager. Unter denjenigen, die TikTok mehr als eine Stunde pro Tag nutzen, stimmten sogar 49 Prozent der Mädchen der Aussage mindestens „weitgehend“ zu, während es bei den Jungen 28 Prozent waren. Unter den Mädchen, die täglich mehr als eine Stunde Zeit auf Instagram, YouTube und Snapchat verbringen, fühlen sich jeweils 46, 43 und 39 Prozent in ihrem Körper unwohl.
Social-Media-Verbot?!
Auch das in Politik und Medien viel diskutierte und in einigen Ländern bereits umgesetzte Social-Media-Verbot für Jugendliche unterhalb einer bestimmten Altersgrenze wurde in der JIMplus-Befragung thematisiert. Nur 9 Prozent der befragten Jugendlichen gaben dabei an, sich ausreichend in die Debatte um ein mögliches Social-Media-Verbot eingebunden zu fühlen. 43 Prozent sprachen sich für ein Verbot ab einem bestimmten Alter aus, 52 Prozent gehen davon aus, dass es leicht zu umgehen wäre und demnach „nichts bringe“. 45 Prozent sehen Plattformen und 42 Prozent Creator:innen gegenüber jungen Nutzer:innen in der Verantwortung. 23 Prozent stimmen der Aussage zu, dass eine Welt ohne Social Media besser wäre.
Spannend ist darüber hinaus, dass viele Jugendliche einen späteren Einstieg für Social-Media-Plattformen empfehlen als sie ihn selbst hatten. Demnach empfehlen 65 Prozent für TikTok ein späteres Einstiegsalter (⌀-Empfehlung: 14,5 Jahre), 60 Prozent für YouTube (⌀: 12,5 Jahre), 56 Prozent für Instagram (⌀: 14,5 Jahre) und 54 Prozent für Snapchat (⌀: 14 Jahre).
Die Studie finden Sie hier:
Feierabend, S., Gerigk, Y., Glöckler, S., Kheredmand, H., & Rathgeb, T. (2026). JIMplus 2026: Digitales Wohlbefinden von Jugendlichen in Deutschland. Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest (mpfs). https://mpfs.de/studie/jimplus-2026

