Aktuelles

Literature Digest 1/2026

Die aktuelle Ausgabe des Literature Digest des Weizenbaum Panels gibt eine Übersicht über die wichtigste wissenschaftliche Literatur in den Bereichen guter Bürgerschaft und politischer Partizipation aus dem 1. Quartal 2026. Aus den Publikationen der Monate Januar bis März 2026 geht hervor, wie unterschiedlich die Erfahrungen mit digitaler Beteiligung ausfallen können und welche Rolle die allgemeine Informationslandschaft für das Vertrauen spielt. Zugleich wird deutlich, dass digitale Gewalt eine starke geschlechtsspezifische Dimension aufweist. Im Anschluss werden einige der zentralen Ergebnisse der Studien vorgestellt.

Der vollständige Literature Digest 1/2026 (Januar–März) ist online verfügbar unter: https://www.weizenbaum-library.de/handle/id/419

Strategien im Umgang mit Hassrede im Netz

Die Reaktion auf Hassrede ist kein einheitlicher Prozess, sondern hängt maßgeblich von der jeweiligen Betroffenheit ab. Wer Hassrede nur beobachtet, beteiligt sich häufiger an Diskussionen und signalisiert Unterstützung. Direkt Betroffene ziehen sich hingegen tendenziell von Debatten zurück, insbesondere bei hoher Intensität der Angriffe (Jing et al., 2026). Außerdem zeigt sich, dass Nutzer:innen offensive Inhalte häufiger melden als kommentieren. Dabei erhöht sowohl die Bekanntschaft mit den Urheber:innen als auch die eigene Rolle als öffentliche Person die Bereitschaft zum Handeln (Schmid-Petri & Doseva, 2026).

Geschlechtsspezifische Dimension digitaler Gewalt

Digitale Angriffe treffen Menschen nicht gleichermaßen, obwohl die Häufigkeit von Bedrohungen zwischen den Geschlechtern ähnlich hoch ist (Van Bavel et al., 2026). Frauen erleben jedoch signifikant häufiger sexualisierte und geschlechtsspezifische Gewaltformen als Männer. Es wird daher gefordert, gezielte digitale Angriffe auf Frauen explizit als direkte Form von Gewalt einzustufen, da sie reale psychische Folgen haben und mit physischer Gewalt verbunden sind (Tornay-Márquez et al., 2026).

Wahrnehmung der Medienlandschaft

Es ist nicht allein die Konfrontation mit einzelnen Falschinformationen, die die Bevölkerung beeinflusst – auch wenn Desinformationen täglich in unterschiedlichsten Formaten und Themenbereichen begegnen (Hourigan et al., 2026). Für die Haltung gegenüber dem Mediensystem ist die allgemeine Wahrnehmung der Informationslandschaft entscheidender: Wenn die Verbreitung von Desinformationen als „weit verbreitet” wahrgenommen wird oder die Stimmung als feindselig empfunden wird, wirkt dies stärker als die bloße Exposition gegenüber einzelnen falschen Nachrichten (Jones-Jang et al., 2026).

Weizenbaum Report 2026 veröffentlicht

Heute wurde der Weizenbaum Report 2026 veröffentlicht. Mit der siebten Welle der bevölkerungsrepräsentativen Befragung des Weizenbaum Panels beleuchtet der Report erstmals die Wahrnehmung von Gewalt gegen Politiker:innen und die damit verbundene Bedrohung der Demokratie. Zugleich dokumentiert er Entwicklungen in der politischen Mediennutzung, der Haltung gegenüber Sozialen Medien und Künstlicher Intelligenz sowie Trends in der digitalen und traditionellen Bürgerbeteiligung.

Unter dem folgenden Link kann der Report heruntergeladen werden: https://www.weizenbaum-library.de/handle/id/1172.

Ein zentrales Ergebnis des Weizenbaum Report 2026 ist die Zunahme der Konfrontation mit Falschnachrichten: 47 Prozent der Bevölkerung gaben an, im Jahr 2025 mindestens einmal mit einer Falschnachricht konfrontiert worden zu sein. Besonders ausgeprägt ist dieser Trend bei jüngeren Bevölkerungsgruppen: Knapp 90 Prozent der Unter-30-Jährigen berichteten von solchen Erfahrungen. Hinsichtlich des Schwerpunktthemas der diesjährigen Befragung empfanden 81 Prozent der Befragten Gewalt gegen Politiker:innen als sehr oder eher verbreitet. 69 Prozent sehen darin eine Bedrohung für die Demokratie, wobei diese Wahrnehmung mit einer erhöhten Bereitschaft zur politischen Beteiligung korreliert. Die genaue Wirkungsrichtung dieses Zusammenhangs bedarf allerdings weiterer empirischer Untersuchung. So könnte das erhöhte Problembewusstsein zur politischen Mitwirkung motivieren, umgekehrt könnte eine aktive politische Beteiligung allerdings auch sensibel für gewalttätige Vorfälle gegen Politiker:innen machen.

Die Ergebnisse des Reports fanden breite Aufmerksamkeit in der deutschen Medienlandschaft. So berichteten etwa sas ARD-Morgenmagazin, Die Zeit und Der Spiegel über die Studienergebnisse zur Wahrnehmung von Gewalt gegen Politiker:innen, während die Rheinische Post über die Einstellungen der Bürger:innen zu Künstlicher Intelligenz berichtete. Die taz sowie Netzpolitik.org berichteten umfangreich über den Report, unter anderem mit Kommentaren des Panel-Teams. Die vielfältige Medienresonanz unterstreicht die gesellschaftliche Relevanz der Ergebnisse und die Bedeutung des Reports als zentraler Impulsgeber für die Diskussionen über Demokratie und digitale Transformation.

Anlässlich der Veröffentlichung des Weizenbaum Reports fand am 21. April 2026 eine Podiumsdiskussion am Weizenbaum-Institut statt. Prof. Dr. Christoph Neuberger, Geschäftsführender Direktor des WI, begrüßte die Gäste und hob die Relevanz des Reports für die gesellschaftliche Debatte hervor. Anschließend stellte Katharina Heger, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Panels, zentrale Befunde aus dem Report vor. Danach diskutierte Prof. Dr. Martin Emmer, Principal Investigator am Weizenbaum-Institut, mit Expert:innen aus Forschung und Praxis über die Herausforderungen und Chancen der digitalen Demokratie. Maja Wallstein (Mitglied des Deutschen Bundestags, SPD) berichtete aus erster Hand von ihren Erfahrungen im Wahlkreis und der direkten Interaktion mit Bürger:innen. Sie sprach über die zunehmende Polarisierung von Debatten und persönliche Konsequenzen, die sie als Politikerin erlebt hat – darunter sogar direkte Drohungen. Ulli Grießhammer, Stellvertretender Teamleiter und Berater bei HateAid, erzählte aus seiner täglichen Arbeit mit Betroffenen von Hasskommentaren und digitaler Gewalt im Internet. Er betonte die Bedeutung einer strukturierten und empathischen Reaktion auf Hass, um Betroffene nicht weiter zu isolieren. Anna Hahnemann vom Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen (KFN) trug ihre Expertise zur Diskussion bei und erläuterte die kriminologischen Hintergründe von Gewalt gegen Politiker:innen.