Survey Monitor: Reuters Institute Digital News Report 2026 – Ergebnisse für Deutschland

Das Reuters Institute for the Study of Journalism in Oxford untersucht seit 2013 in jährlich durchgeführten Befragungen die Nachrichtennutzung der internetnutzenden Bevölkerung ab 18 Jahren in derzeit 48 Ländern. Pro Land wird dabei eine repräsentative Stichprobe von etwa 2.000 Personen befragt und die Ergebnisse im Digital News Report mit länderspezifischen Auswertungen vorgestellt. Der diesjährige Report erschien im Juni 2026, basierend auf einer Datenerhebung im Januar und Februar 2026. Im Folgenden werden die Ergebnisse der deutschen Teilstudie vorgestellt, wie sie vom Leibniz-Institut für Medienforschung | Hans-Bredow-Institut (HBI) in Hamburg herausgegeben wurden.

Internet als wichtigste Nachrichtenquelle der Deutschen

Der Anteil an Internetnutzenden, die mit Nachrichten in Kontakt kommen, ist in Deutschland recht hoch: 90 Prozent der befragten Onliner sehen, lesen oder hören mehrmals pro Woche Nachrichten. Dabei gibt es leichte Schwankungen je nach Altersgruppe: Bei den 18- bis 24-Jährigen sind es etwa 81 Prozent, bei den über 55-Jährigen 93 Prozent.

Am häufigsten wird auf das Internet als Nachrichtenquelle zurückgegriffen: 67 Prozent der Befragten gaben an, mindestens einmal pro Woche Nachrichten im Netz zu konsumieren, 59 Prozent beziehen Nachrichten über das Fernsehen. Nachrichten im Radio hören wöchentlich 34 Prozent der deutschen Internet-User, während nur 17 Prozent wöchentlich Zeitungen und Zeitschriften lesen. Seit 2013 ist damit ein Rückgang der Nachrichtennutzung über das lineare Programmfernsehen, das Radio und Print zu verzeichnen. Lediglich in der Gruppe der über 55-Jährigen werden Nachrichten noch immer von mehr Personen über das TV bezogen (77 %) als über das Internet (55 %).

Das Internet wurde zudem von den meisten Befragten, die mit mindestens einer Nachrichtenquelle wöchentlich in Kontakt kamen, als wichtigste Nachrichtenquelle genannt (44 %), dicht gefolgt vom Fernsehen (41 %). Bei der jüngsten Altersgruppe fällt diese Dominanz des Internet gegenüber anderen Nachrichtenquellen am deutlichsten aus (72 % Internet; 15 % TV). Ausschließlich über das Internet informieren sich 23 Prozent der Bevölkerung, unter den Jüngsten sogar 45 Prozent.

Nachrichtenvermeidung wird relevanter

Das Konzept der Nachrichtenvermeidung wird vom Reuters Institute seit 2017 erhoben. Seither gab es einen klaren Zuwachs an Personen, die Nachrichten zumindest gelegentlich vermeiden. Traf dies 2017 noch auf nur knapp die Hälfte der Befragten zu, waren es 2023 bereits 65 und 2026 sogar 72 Prozent der Befragten. Der Anteil der Personen, die Nachrichten oft vermeiden, ist zwischen 2017 und 2026 von 5 auf 15 Prozent gestiegen.

Soziale Medien als Haupt-Anlaufstelle für Online-Nachrichten

Soziale Medien werden zum Konsum von Online-Nachrichten von 36 Prozent der Befragten mindestens einmal wöchentlich genutzt, während nur gut ein Fünftel auf Websites oder Apps von Nachrichtenmagazinen, Zeitungen oder TV- und Radioanbietern zurückgreift. Soziale Medien sind damit in allen Altersgruppen die meistgenutzte Nachrichtenquelle im Internet, wobei deutliche Altersunterschiede vorliegen: So nutzen unter den 18- bis 24- Jährigen deutlich mehr Befragte soziale Medien als Nachrichtenquelle (60 %) als die über 55-Jährigen (25 %). Zudem ist bei der wöchentlichen Nutzung sozialer Medien als Nachrichtenquelle unter den 18- bis 24-Jährigen im Vergleich zu den Vorjahren ein Anstieg zu verzeichnen.

Ein ähnliches Bild zeichnet sich bei den wichtigsten Nachrichtenquellen innerhalb des Internets ab: Die sozialen Medien stellen in allen Altersgruppen die wichtigste Nachrichtenquelle dar. 18 Prozent der Befragten, die in der vergangenen Woche soziale Medien für den Nachrichtenkonsum genutzt hatten, nannten diese als ihre Hauptnachrichtenquelle. Unter den 18- bis 24-Jährigen liegt dieser Anteil bei 44 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahr (2025: 34 %) gab es hier einen Anstieg von 10-Prozentpunkten, 2013 lag der Anteil sogar bei nur 2 Prozent. Bei den über 55-Jährigen stieg der Anteil in diesem Zeitraum von 1 Prozent (2031) auf 8 Prozent (2026).

Generative KI für Nachrichtenkonsum weitgehend irrelevant

Chatbots auf Basis generativer KI werden von nur 5 Prozent der Internetnutzenden regelmäßig für Nachrichten genutzt und stellen damit höchstens eine Ergänzung zu anderen Nachrichtenquellen dar. 48 Prozent dieser Nutzer:innen verwenden KI-Chatbots, um eine Nachfrage zu einem Nachrichtenthema zu stellen, 28 Prozent, um ein Nachrichtenthema leichter verständlich zu machen und 27 Prozent um es zusammenzufassen, zu bewerten (25 %) oder sich einen Überblick über die neuesten Nachrichten zu verschaffen (24 %). Der am häufigsten genannte Grund für die nachrichtenbezogene Chatbot-Nutzung ist, dass Nachfragen gestellt werden können (50 %).

WhatsApp, YouTube, Instagram: Die Top-3 der beliebtesten Plattformen

Die beliebteste Plattform unter erwachsenen Onlinern in Deutschland ist WhatsApp: 83 Prozent der Befragten gaben an, die Plattform in der vergangenen Woche genutzt zu haben, gefolgt von YouTube (60 %) und Instagram (46 %). Facebook (44 %) wurde damit durch Instagram aus den Top-3 der beliebtesten Plattformen verdrängt. Nachrichten auf den jeweiligen Plattformen konsumierten 23 (WhatsApp), 22 (YouTube) bzw. 17 Prozent (Instagram), wobei Instagram unter 18- bis 24-Jährigen klar dominiert (allgemeine Nutzung: 85 %; nachrichtenbezogene Nutzung: 52 %).

In diesem Kontext muss erwähnt werden, dass es bei der Abfrage der sozialen Mediennutzung in der vergangenen Woche in der 2026er Welle zu einem technischen Problem kam, sodass der Fragenkomplex mit einer anderen, kleineren Stichprobe (n=1.044) wiederholt werden musste. Die Ergebnisse scheinen den Autor:innen der Studie zufolge im Zeitverlauf plausibel zu sein.

Rückgang im Interesse an Nachrichten

Gut die Hälfte der Befragten (51 %) ist „äußerst“ oder „sehr“ an Nachrichten interessiert, unter den Jüngsten sind es 39 und unter den Ältesten 57 Prozent. Insgesamt ist der Trend rückläufig: So gaben 2013 noch 80 Prozent der Befragten an, äußerst oder sehr an Nachrichten interessiert zu sein, 2020 waren es 71 Prozent. Der Rückgang im Interesse zeigt sich dabei unter den Ältesten mit einem Minus von 33-Prozentpunkten zwischen 2013 (90 %) und 2026 (57 %) am deutlichsten.

Demgegenüber sind die Online in Deutschland an Politik insgesamt weniger stark interessiert als an Nachrichten: Nur 43 Prozent interessieren sich „äußerst“ oder „sehr“für Politik. Die Unterschiede zwischen den Altersgruppen fallen dabei eher gering aus. Während 74 Prozent der jüngsten Altersgruppe zumindest „einigermaßen“ an Politik interessiert ist, sind dies bei den 35- bis 44-Jährigen 70 Prozent und bei den über 55-Jährigen 78 Prozent.

Nachrichtenvertrauen unter Jüngsten weiterhin am geringsten

Das Nachrichtenvertrauen unter deutschen Onlinern bleibt weitgehend stabil: Mit 46 Prozent vertraut ein Großteil der Befragten den Nachrichten. 25 Prozent vertrauen wenig oder gar nicht, 29 Prozent zeigten sich unentschlossen. Diese Vertrauenswerte unterscheiden sich allerdings stark zwischen den Altersgruppen: So vertrauen nur 37 Prozent der 18- bis 24-Jährigen (mit einer leichten Erhöhung gegenüber dem Vorjahr), während es bei älteren Bevölkerungsteilen bis zu 48 Prozent sind.

Das Vertrauen der Befragten in Nachrichten, die sie selbst nutzen, fällt erwartbarerweise deutlich höher aus als das Vertrauen in Nachrichten im Allgemeinen: 58 Prozent der Befragten gaben an, einem Großteil der von ihnen genutzten Nachrichten meist vertrauen zu können, 25 Prozent waren unentschieden und 17 Prozent vertrauten (eher) nicht. Damit ist das Vertrauen in selbstgenutzte Medien etwas höher als in den letzten Jahren, jedoch niedriger als noch 2021 (62 %). Jüngere haben tendenziell an Vertrauen gewonnen und Ältere an Vertrauen eingebüßt.

Beim Vertrauen in Nachrichten, die Befragte über verschiedene Zugangswege erreichen, zeigen sich weiterhin klare Unterschiede: Nachrichten in Suchmaschinen kann man laut 24 Prozent der erwachsenen Onliner meist vertrauen (47 Prozent sind unentschieden), während man Nachrichten in den sozialen Medien und von KI-Chatbots lediglich laut 13 Prozent der Befragten meist vertrauen kann. Insgesamt am stärksten vertrauen die 25- bis 34- Jährigen in die drei genannten Zugangswege.

Die schweigende Masse

Insgesamt zeigt der Digital News Report für Deutschland: Nur ein kleiner Teil der Internetnutzenden greift im Netz auf Nachrichteninhalte zu. Kommentare in sozialen Medien werden von einem Viertel regelmäßig gelesen, am häufigsten noch von der jüngsten Altersgruppe (34 %). Aktiv durch Liken, Teilen oder Kommentieren von Nachrichteninhalten partizipieren vor allem Jüngere und Menschen, die sich an den Rändern des politischen Links-Rechts-Spektrums verorten, insbesondere am linken Rand. Insgesamt bewerten bzw. liken aber nur 15 Prozent der Befragten regelmäßig Artikel in den sozialen Medien und jeweils 9 Prozent teilen oder kommentieren sie. Unter den Jüngsten fällt auf, dass sie Artikel auf Nachrichtenseiten häufiger (8 %), in den sozialen Medien allerdings seltener (7 %) kommentieren als die Gesamtbevölkerung (5 %; 9 %), während sie Kommentare in den sozialen Medien deutlich häufiger (34 %) und auf Nachrichtenseiten etwas seltener (18 %) lesen als die Gesamtbevölkerung (Kommentare lesen, SM: 25 %; Nachrichten-Websites: 19 %).

Die deutsche Teilstudie finden Sie hier:

Hölig, S., Behre, J., Stöwing, E., & Möller, J. (2026). Reuters Institute Digital News Report 2026 – Ergebnisse für Deutschland (=Arbeitspapiere des Hans-Bredow-Instituts | Projektergebnisse Nr. 83). Verlag Hans-Bredow-Institut. https://doi.org/10.21241/ssoar.110516

Den länderübergreifenden Report finden Sie hier:

Egan, J., Robertson, C. T., Ross Arguedas, A., Newman, N., Kleis Nielsen, R., Mukherjee, M., Fletcher, R. (2026). Reuters Institute Digital News Report 2026. Reuters Institute for the Study of Journalism. https://doi.org/10.60625/risj-4vgf-s811