Die aktuelle Ausgabe des Literature Digest des Weizenbaum Panels gibt eine Übersicht über die wichtigste wissenschaftliche Literatur in den Bereichen guter Bürgerschaft und politischer Partizipation aus dem 2. Quartal 2026. Aus den Publikationen der Monate April bis Juni 2026 geht hervor, dass Medienvertrauen als ambivalentes Konzept von verschiedenen Kontextfaktoren geprägt wird. Politische Partizipation in den sozialen Medien speist sich vor allem aus dem Gefühl politischer Selbstwirksamkeit, wobei Gender intersektional auf Formen politischer Beteiligung wirkt. Im Anschluss werden einige der zentralen Ergebnisse der Studien vorgestellt.
Der vollständige Literature Digest 2/2026 (April–Juni) ist online verfügbar unter:
https://www.weizenbaum-library.de/handle/id/419
Medienvertrauen
Die Stabilität des Vertrauens in öffentlich-rechtliche Medien in Krisenzeiten beruht laut Slavík et al. (2026) auf langfristiger Erfahrung und der Wahrnehmung öffentlichen Nutzens. Der Effekt von Medienrepertoires auf Vertrauen scheint hingegen limitiert, so zeigen sich unter jungen Erwachsenen vergleichsweise hohe Vertrauenswerte gegenüber Medien und Politik, während News Minimalism in dieser Generation stärker verbreitet ist als in älteren Kohorten (Kruikemeier & Vliegenthart, 2026). Um widersprüchliche Befunde über den Zusammenhang von Vertrauen in Medien und deren Nutzung erklären zu können, schlagen Otto et al. (2026) vor, zwei Arten von Medienmisstrauen zu unterscheiden: Skepsis und Zynismus. Während Skepsis mit höherer Nachrichtenexposition verknüpft ist, korreliert Zynismus mit geringerer Exposition.
Politische Partizipation in den sozialen Medien
Wer teilt seine Meinung in den sozialen Medien und warum? Lu et al. (2026) zeigen, dass die Wahrnehmung von „feindseliger Voreingenommenheit“ in der Berichterstattung mit verstärktem Debattierverhalten im Netz korreliert. Politische Selbstwirksamkeit verstärkt zudem die Bereitschaft, politische Inhalte zu teilen (Lu et al., 2026; Neubaum et al., 2026), wobei Waeterloos (2026) paradoxerweise offenbart, dass politisches Wissen mit geringerer Partizipation einhergeht. Die „stille Mehrheit“ (Lurker) im Netz reagiert auf Wertekonflikte hingegen entweder durch Selbstzensur oder Filterung (Urbániková et al., 2026).
Einfluss von Geschlecht auf Formen politischer Partizipation
Politische Teilhabe wird fundamental durch soziodemografische Determinanten wie Geschlecht und insbesondere durch intersektionale Strukturen geprägt. So argumentieren Ahmed et al. (2026), dass Social-Media-Plattformen bestehende Offline-Hierarchien in Bezug auf Geschlecht und Religionszugehörigkeit reproduzieren. Hingegen führt männliche Abwesenheit im Haushalt bei Frauen in Indien nach Kumar (2026) zu einer verstärkten politischen Beteiligung und zwar selbst dann, wenn sie keine finanzielle Autonomie besitzen.